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Sie haben Ihre erste Podcast-Episode aufgenommen! Schön und gut - aber was kommt danach? Danach folgt der ebenso entscheidende Schritt des Schnitts.
In diesem neuen Artikel für angehende Podcast-Produzent:innen geht es um Audio-Schnittsoftware - natürlich mit Tipps und Einschätzungen aus unserer eigenen Podcast-Praxis!
Dieser Artikel ist der zweite Teil unseres Einsteiger-Dossiers zum Podcasting. Lesen Sie ergänzend auch #1 Hardware, #3 Format und #4 Kommunikation!
Es gibt eine Vielzahl von Programmen für den Podcast-Schnitt, also zum Schneiden, Anordnen und Bearbeiten Ihrer Aufnahmen, bis Sie ein Ergebnis erhalten, das Ihnen - und Ihrem Publikum - gefällt. Einige Programme sind kostenpflichtig, etwa Cubase oder Adobe Audition, andere kostenlos, wie Audacity oder GarageBand (unter iOS enthalten). Eine weitere Möglichkeit ist Reaper: Die Software ist kostenpflichtig … und zugleich kostenlos nutzbar, denn die Lizenz (ab 60 US-Dollar, einschließlich einiger Updates) ist für die Nutzung nicht zwingend erforderlich. Beim Start erscheint lediglich eine Aufforderung zum Kauf.
Wählen Sie zunächst nach Ihrem Budget, dann nach Ihren Kenntnissen und schließlich nach Ihrer Ausstattung. Beginnen wir mit einem universellen Rat: Wenn Sie gerade anfangen, nehmen Sie sich Zeit zum Lernen! Das ist keineswegs Zeitverschwendung. Nach und nach aus jedem Fehler zu lernen, kostet auf Dauer wesentlich mehr Zeit als ein intensiver Kurs von einigen Stunden, in dem Sie das Werkzeug Ihrer Wahl wirklich beherrschen lernen.
Unter unabhängigen Podcast-Produzent:innen gibt es heute vor allem drei große Schulen: Audacity, Reaper und GarageBand für iOS-Nutzer:innen. Das beste Werkzeug ist dasjenige, das Sie gut kennen und mit dem Sie sich wohlfühlen. Auch wenn wir Reaper bevorzugen (warum, erfahren Sie weiter unten), sollten Sie Audacity oder GarageBand ruhig ausprobieren und sich Ihre eigene Meinung bilden!
Audacity ist sehr leicht zu erlernen, schlank und einfach zu finden. Wahrscheinlich war es deshalb für sehr viele Podcast-Produzent:innen die erste Audio-Editing-Software. Die Oberfläche ist nicht gerade die schönste, aber Schaltflächen und Funktionen kommen direkt zur Sache: aufnehmen, abspielen, schneiden, verstärken … alles funktioniert recht intuitiv und sehr schnell.
Dafür stößt die Software trotz ihrer praktischen und effizienten Funktionen relativ schnell an Grenzen. Die Bedienung wirkt etwas aus der Zeit gefallen, und bei Effekten können Sie die Einstellungen nachträglich nicht einfach ändern: Sobald ein Effekt angewendet wurde, ist die Spur dauerhaft verändert. Beispiel: Sie haben zu viel weggeschnitten? Dann müssen Sie Ihre Schritte rückgängig machen, bis Sie wieder vor dem Löschen des Ausschnitts angekommen sind, und anschließend alle weiteren Arbeitsschritte erneut durchführen.
Wenn Sie sich noch nicht an Audacity gewöhnt haben und ganz am Anfang stehen, empfehlen wir es vor allem für kleine, schnelle Schnitte oder einfache Korrekturen - und ansonsten direkt mit dem nächsten Abschnitt weiterzumachen.
Reaper ist - ebenso wie Cubase, GarageBand oder Adobe Audition - eine sogenannte DAW (Digital Audio Workstation), also eine speziell für Audiobearbeitung entwickelte und optimierte Software. Die Oberfläche ist nicht ganz so leicht zugänglich wie bei Audacity, weil es deutlich mehr Möglichkeiten gibt und man sich anfangs leicht darin verlieren kann. Mit einigen Tutorials und etwas Zeit werden Sie sich jedoch schnell zurechtfinden und Podcast-Episoden wesentlich flexibler und vor allem schneller produzieren können als mit Audacity.
Der große Vorteil von Reaper und anderen DAWs gegenüber Audacity liegt in der Verwaltung von Effekten und Spuren. Wenn Sie Effekte auf Ihre Aufnahmen anwenden, können Sie deren Einstellungen jederzeit verändern. Noch besser: Wenn mehrere Spuren (also mehrere Audiodateien) dieselben Einstellungen benötigen, können Sie sie gruppieren und die Einstellungen auf die gesamte Gruppe anwenden, statt jede Spur einzeln zu bearbeiten. Beispielsweise können Sie einen "Rauschminderer" auf die Gruppe mit allen unter denselben Bedingungen aufgenommenen Sprachspuren legen - fertig! Das spart enorm viel Zeit. Außerdem können Sie Spuren und Spurgruppen beschriften und farblich kennzeichnen, um den Überblick zu behalten.
Wir sprechen hier vor allem über Reaper, weil es günstiger und zugänglicher ist als die anderen genannten DAWs. Cubase, GarageBand und Adobe Audition bieten sehr ähnliche Optionen und Funktionen.
Natürlich empfehlen wir ebenso GarageBand, wenn Sie es bereits besitzen, oder Adobe Audition, Cubase beziehungsweise eine andere DAW, wenn Sie diese erwerben möchten. Der wichtigste Unterschied zwischen diesen Programmen ist ihre Oberfläche. Die Verwaltung der Effekte und grundsätzlich die Art, wie Sie diese steuern, ähnelt weitgehend dem, was Sie in Reaper finden.
Sie haben es wahrscheinlich verstanden: Für Ihren Podcast-Schnitt empfehlen wir trotz der etwas anspruchsvolleren Oberfläche, den Umgang mit einer DAW wie Reaper zu lernen, statt sich auf eine einfache Software wie Audacity zu beschränken. Das bedeutet nicht, dass Audacity vermieden werden sollte. Aber wenn Sie ohnehin Zeit investieren, um eine Software zu lernen, dann am besten eine, die Ihnen später Zeit spart. Diese Zeit können Sie für viele andere Dinge nutzen: Soundeffekte und die Verbesserung Ihrer Produktionen, Kommunikation rund um Ihren Podcast, Schreiben, Veröffentlichung … Das Leben als Podcast-Produzent:in vergeht schnell!
Eine Frage? Unser ehrenamtliches Team und die anderen Mitglieder auf dem Discord-Server des Vereins BadGeek helfen Ihnen gerne dabei, Ihre Podcast-Fragen aus allen Blickwinkeln zu beleuchten. Schauen Sie dort und auch bei unseren anderen Artikeln gerne vorbei.
- Audacity herunterladen: https://www.audacityteam.org/download/
- Reaper herunterladen: https://www.reaper.fm/download.php
- "lame_enc.dll" für Audacity beziehungsweise "libmp3lame.dll" für Reaper herunterladen, um Ihre Episoden im Standardformat .mp3 exportieren zu können (muss es unbedingt MP3 sein? Ja - lesen Sie unseren Artikel dazu): https://www.rarewares.org/mp3-lame-libraries.php#lame_dll_ini
- Unser Tutorial für die Grundlagen mit Audacity: https://www.youtube.com/watch?v=0vk7KEHLtfI
- Unser Tutorial für die Grundlagen mit Reaper: https://www.youtube.com/watch?v=RzVDwzA_1_8
- Einige Tipps, um Ihren Klang mit Reaper einfach zu verbessern: https://www.youtube.com/watch?v=Z1DZtraAEg8
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